Warum ein gelbes Küken einmalig ist…

Zeit. Zeit ist relativ. Meist relativ kurz. Wenn man VIELE ist, dann wohl noch kürzer. Und weil im Moment Zeit eigentlich kaum vorhanden ist, was aber nur eine subjektive Empfindung meinerseits ist, habe ich erst jetzt wieder die Zeit zu schreiben.

Warum?
Weil ich umziehe in 8 Tagen
Weil ich mir in 5 Tagen ein Tattoo stechen lasse
Weil ich in 4 Wochen heirate…
Da habe ich einfach wenig Zeit.
Dennoch möchte ich euch von den Letzen Tagen erzählen. Im Grunde gab es nichts Weltbewegendes. Wie schön. Einfach der pure, ruhige Alltag. Leben eben.
Manchmal sind es die Kleinen Dinge, die es schaffen nachhaltig zu beeindrucken, auf ewig im Gedächtnis bleiben.
So wie die Sache mit dem Küken.
Küken sind ja bekanntlich gelb. Dieses auch, und es war plüschig weich, ausgestattet mit großen blauen Plastikaugen sowie einem orangenen Schnabel. Ein Stoffküken eben.
Eigentlich nichts Besonderes.
Vielleicht ist einigen von euch nicht klar, was einer der gefährlichsten, schwierigsten und zugleich spannendsten Orte für jemanden ist, der VIELE ist…Ratet mal: Nein..nicht die Geisterbahn….nicht die Münzaustellung eines Museums….sondern: Ein Spielwarenladen.
Nun begab es sich, dass der Sohn eines sehr lieben Menschen Geburtstag hatte. Und wir waren eingeladen. Zu einem Kindergeburtstag braucht es Geschenke. Jene befanden sich zu meinem Erschrecken im Spielwarenladen in Barsinghausen.
Dort befinden sich Regale, bis unter die Decke mit kleinen Kisten gefüllt auf denen die Namen die Kinder, die zuvor alle Geburtstagswünsche darin versenkt hatten, verewigt waren.
So, dass der unwissende Erwachsene nur noch die Aufgabe hat, in den Laden zu stapfen und möglichst Vieles aus der Kiste zum Geburtstag mitzubringen. Ein sehr praktisches System, den wem über 13 ist schon der gravierende Unterschied zwischen Lego in „Starwars“ – Optik und Lego in „Ninjago“ -Optik klar. Und wer weiß schon wofür ein Spinner ist? Oder ehrlicher: Wenn interessiert das???
Da das Geburtstagkind ein ziemlich netter Bursche für ein Kind ist, bin ich eben mit in den Verkaufsraum des Kinderglücks gegangen. Nicht dass ich eine Wahl hatte. Anne wollte dahin, und ging dorthin. Ich konnte ja schlecht zuhause bleiben.
Kaum waren wir in der Konsumwelt angekommen, ging es auch schon los.
Sam probierte Jo-Jos aus während er sich an den neusten Schleimhänden für die Fensterscheibe erfreute. Seine Gedanken wanderten kurz zu der Möglichkeit Holi-Farbkreidebomben zu kaufen…welch Freude!
Samantha durchkämmte die Regale mit den Monsterhigh Puppen und diskutierte angeregt mit sich selbst welche nun die ekeligste und damit die coolste wäre…
Dorie und Willi hatten eilderweil die Carrera Bahn entdeckt. Als der Verkäufer mit leichtem Lächeln meinte er könne die gern anstellen meinte Willi nur: Jo Alda. Gottseidank war der Mann so mit den Knöpfen beschäftigt, dass er es nicht bemerkte. Willi gewann die Runde.
Zentimeter für Zentimeter, Regal für Regal näherten wir uns enervierend langsam den besagten Geburtstagsboxen.
Alles lief gut…wenn nicht…ja wenn Dori nicht zu den Regal mit den Kuscheltieren geschlichen wäre.
Julie liebt Kuscheltiere. Dass ist kein Problem nur leidet sie dabei an Geschmacksverirrung. Alles was bunt hässlich und mit überdimensionierten Glitzeraugen ausgestattet ist, wird geliebt.
Leider fällt es auf, wenn Julie vorn ist. Sie ist einfach 3. Sie spricht wie 3 und benimmt sich auch so. Bei den Kuscheltieren, entdeckte sie das wohl hässlichste Einhorn der Welt. Es war weiß flankiert mit bunten Glitzer. Die Statur ähnelte einer Raupe Nimmersatt. Nun wer sagt denn das Einhörner anmutige Wesen sind? Vielleicht ist das aber auch Kunst? Oder einfach nur Schrott? Mir fehlt da wohl der Zugang…
In den Augen einer dreijährigen war es jedoch das schönste Objekt des ganzen Ladens. Ich war gerade dabei, zu erklären, dass dies Vieh nicht mit nach Hause könne, da es doch dann keine Freunde mehr habe und weine, als Dori ein gelbes Küken aus dem Haufen der pelzgesichtigen Kinderschrecken herauszog.
Ein Küken! Julie liebt Küken. Besonders gelbe. Ganz besonders gelbe weiche Plüschküken. Es gibt nur ein Tier, dass noch besser ist als Küken: Schwarznasenschafe.
Und hier war es. Der Stoff gewordene Albtraum jeder Multiplen. Julie machte sich so breit sie konnte im Körper um ja nicht nach hinten zu müssen. Ich spürte wie mein Herz vor Freude und Aufregung raste, meine Hände streckten sich von Julie gesteuert nach dem gelben Schatz aus und aus meinem Mund kam ein laut vernehmliches kleinkindliches: Ein TÜKEN!!! (Julie hat einen Sprachfehler…ein K gibt es einfach nicht…) Ein TÜKEN!! So laut, dass auch jeder in dem Laden es hören musste. Julie entriss Dora das Tier und presste es an unsere Brust. Die Nase vergraben in dem chemischen Duft aus Plastik und Styroporkugeln.

Ich meinte im Inneren nur: Julie, das kommt nicht mit!

Julie: Goch..( doch)

Ich: Nein! Das hat doch hier Freunde…und jetzt benimm dich…

Julie: Goch! (Begleitet von einem wilden Aufstampfen…)

Aurelia: Julie komm wieder mehr nach innen, wir besprechen das in Ruhe.

Julie: GOCH! TÜKEN Mitnehmen…..( Laut ausgesprochen mit Aufstampfen und Küken auf ein Regal klopfen….

Ich: Herrgott kann das mal jemand anders regeln???

Dorie war zwischenzeitlich bewusst, was sie da ausgelöst hatte und versuchte hektisch den Schaden wieder gut zu machen, allerdings straften das glucksende beben ihrer Brust und die Tränen die vor Lachen ihre Wange herunterliefen ein wenig die Ernsthaftigkeit des Unterfangens.
Aber irgendwie schafften wir es dann doch gemeinsam Julie wieder zu beruhigen. Ok, ok..ich werde diesen Spielwarenladen nie mehr betreten. Und etwa die Hälfte der Besucher wird sich gefragt haben, wo die versteckte Kamera ist.
Aber: ich habe ein TÜKEN!

So einfach ist das. Einfach nachgeben..und schon ist Ruhe im System. Den was wäre die Wahl gewesen? Dass ich mich auf den Boden werfe und mit den Fäusten trommle? …..So weit wollte ich es dann doch nicht kommen lassen.
Zum Ende fanden wir dann auch den Geschenkkorb und konnten wieder gehen.
Es war ein schöner Tag. Und unvergesslich war er auch.
Wie geht es euch so in Spielwarenläden? Wie geht es Menschen die nicht VIELE sind? Kaufen deshalb so viele Leute Dinge die sie nicht benötigen? Weil niemand wirklich Nein zu sich selbst sagt?
Eine interessante Frage….

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