Warum eine Depression depressiv macht…

Erkenntnis des Tages: Eine Depression ist das was du daraus machst.

Ich habe keine. Also nicht wirklich. Gut…ich komme morgens schlecht aus dem Bett und würde am liebsten den ganzen Tag damit verbringen für den Blog hier zu schreiben. Aber das geht ja leider nicht.
Denn spätestens um 8 Uhr weckt mich eine große, rosa Zunge begleitet von einer leberfarbenen Nase, zärtlich ziehen kleine Zähne an meinen Haaren und wenn ich dann noch immer nicht reagiere wird mir die Schnauze mit Prusten ins Gesicht gestupst. Ja ich bin wach. Mein Hund Leni ist wach…also habe ich auch wach zu sein.
Zumal die Arbeit ruft. Wie lästig, manchmal denke ich das ein generelles Grundeinkommen vielleicht doch eine Lösung wäre. Einfach in den Tag hineinleben und sich einschränken. Nur dass ich dann wirklich den ganzen Tag im Bett liegen würde, einen Hund könnte ich mir dann nicht leisten.
Es ist 8 Uhr..und Wochenende. Leni kann das aber nicht unterscheiden sowie die kleinen Anteile in mir auch nicht. Jule verlangt lautstark nach Porridge mit Schokosahne und Bananen, ich nach einem Kaffee. Wofür gibt es Anne??? Also flux zurückziehen und sie in den Körper lassen.
Wundervoll. Anne hat den Kaffee frisch gemahlen, der Duft kitzelt würzig in der Nase. Dies weckt Erinnerungen an draußen sitzen im Stadt Café. Brodelnd schüttet sie das Wasser in die French Press und ich setze mich mit dem göttlichen Getränk in meinen Lieblingssessel. Füße hoch, der Geschmack von Café mit einem Hauch von Zimt, Kardamom abgerundet durch Schokolade verheißt einen guten Morgen. Draußen ist es schon hell, langsam erwacht die Stadt zum Leben. Während ich mich mit meiner Verlobten Dorie unterhalte schaltet sich Jule dazwischen und mümmelt ihr Frühstück. Dorie hat sich längst daran gewöhnt, dass Gespräche zwischendrin wechseln. Mal bin ich 35 mal 3 Jahre alt. Da sind andere Dinge wichtig. Während ich über Weltpolitik philosophiere erklärt Jule die Vorteile von KiKaninchen. Dem zu folgen ist bestimmt nicht immer leicht…um somehr liebe ich Dorie dafür.
Nach dem Frühstück bin ich heute mit Annes bester Freundin verabredet. Betty ist nicht Multipel aber trotzdem lustig. Blöd an ihr ist nur: sie ist ein Mensch. Und gerade mag ich keine Menschen. Gar keine. Ich möchte allein sein.
Nein..ich bin nicht depressiv.
Betty steht, pünktlich um 9.00Uhr, mit einem Sack voll guter Ideen vor der Tür.
Ich beschließe nicht mitzumachen. Soll Anne doch Sozialkontakte pflegen.
Die beiden plaudern eine Weile, trinken MEINEN Kaffee leer und drucken dann Zettel aus.
Auf den Zetteln steht z.B. „Liebe- nimm die so viel wie du brauchst“, „Komplimente- Gratis“ und darunter kleine Abreißschnipsel. (siehe Bild)
Diese Zettel haben die beiden dann in Hannover Linden an der Limmerstraße verteilt…ich dachte mich tritt ein Pferd. An jedem passenden bzw. unpassenden Ort bleiben die stehen um ein Blatt mit Tesafilm an die Stelle zu pappen…
Sam: Alta wie peinlich, wenn das jemand sieht!!
Samantha: ich find’s voll krass gut.
Aurelia: Oh mein Gott, wie habe ich Angst, dass uns die Polizei dabei erwischt. Darf man das denn??
Jule: —-die will nur Kekse
Ich? Wäre am liebsten im Boden versunken! Herrje! Ich bin keine 12 mehr!! Und wen interessiert den sowas?? Da reißt doch niemand was ab!

Danach sind die beiden eine Runde um die Ihme gelaufen. Ich niemals nachvollziehen wollen, warum man freiwillig 7 km spazieren geht. Ok, das Licht der Sonne zaubert kleine Funkeln auf den Fluss, der Wind weht sanft durch die Bäume, der Geruch von Rosen und grünem Laub begleitet uns eine Weile, aber es ist eindeutig zu viel Bewegung.

Auf dem Rückweg gehen die beiden schauen, ob sich was getan hat. Nun ich muss zugeben, ich bin etwas überrascht. Die meisten Abreißstreifen sind weg…und gerade sehe ich wie eine Frau vor dem Zettel steht, liest und lacht. Naja…vielleicht doch keine so dumme Idee.
Am Abend geht es mir irgendwie besser. Der Tag war lustig, auch wenn ich keine Lust dazu hatte. Etwas gemein, wenn man immer in seiner nicht vorhandenen Depression gestört wird.
Anne sagt dazu: Depression ist eine Sache der Einstellung. Du kannst dich dagegen wehren oder dich ihr ergeben.

Ok, ich ergebe mich…Anne kämpft ja für uns beide! Wie praktisch!

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