Ein gutes Foto sagt mehr als tausend Worte….

Rückblende 3:

Wir sind wieder in Linden…und in der 3 Wg. Und noch immer stellt sich mir die Frage, wie erkläre ich es meinem Vermieter. (siehe Rückblick 2)
Ich wollte ja alleine einziehen, und jetzt wohnen 3 Menschen und 2 große Hunde auf 50qm.
Meine Freundin, die beiden Hunde und WIR teilen uns das größere der beiden Zimmer (ca. 20 qm) und Peter bewohnt das kleinere Zimmer (ca. 16qm). Der Rest der Wohnung verteilt sich auf ein dunkles kleines Bad- mittlerweile mit Toilette- einem langen Flur und einer netten winzigen Küche mit Edelstahlfronten in Hochglanz.
Zögern bring ja nicht weiter. Also nehme ich das Handy, wähle die Nummer vom Vermieter und schubse Anne nach vorn in dem Moment als der Vermieter sich meldet. Soll sie ihm das doch erklären. Anne stottert kurz (sie wusste ja nicht, wer dran ist und warum…) und erklärt dann tapfer die Situation. Der Vermieter zuckte kaum, meinte nur das Leben habe manchmal seltsame Stilblüten. Die Sache war erledigt und genehmigt.
Der Raum in dem ich hause ist überfüllt mit Kartons, Tüten und Kisten. Ikea Kartons deren Inhalt auf einen Imbus wartet um sich in Möbel zu verwandeln flanieren blaue Säcke mit Kleidung. In all dem standen meine Freundin Dori und ich, wir schauten uns verliebt in die Augen so, dass es schien als würde die Welt stillstehen. Es war nicht eine kleine dreckige Wohnung in Hannover Linden, sondern ein Palast am Strand. Die Zeit verlor ihre Bedeutung und die Tage waren eine Abfolge von leckerem Frühstück, Wein am Abend und Küssen dazwischen. Dies hätte ewig so weitergehen können…wenn nicht irgendwann einer der Hunde vorwurfsvoll ins Bett gehüpft wäre und wir beide synchron auf die Uhr schauten. Irgendwie waren 20 Stunden vorbei. Nur wir hatten nichts gegessen, nichts getrunken und waren nicht mit den Hunden draußen. Das einzige war: Wir waren verliebt. Auf Wolke 7.
Danach rissen wir uns etwas am Riemen. Mindestens zwei Mal am Tag gingen wir mit den Hunden und aßen auch zwischendurch mal etwas..jedoch die Wohnung wurde nicht hübscher. Warum gibt es keine Heinzelmännchen die aufräumen während man im Bett liegt?
Und wenn man schon multipel ist, warum zum Teufel, kann nicht irgendein Anteil in der Nacht leise aufräumen??? Wofür gibt es die den schließlich??? Vielleicht meint jetzt irgendjemand ich hätte das selbst erledigen können… dafür habe ich doch die anderen in mir. Ich bin dafür NICHT zuständig!
Dorie und Anne tauchten irgendwann aus dem Liebestaumel auf so, dass sie sich der Wohnung gegenüber erbarmen konnten. Sie fingen an die Möbel aufzubauen, die Säcke und Kisten auszupacken. So langsam verwandelte sich die Müllhalde in ein halbwegs schönes Zuhause. Blöd nur, wenn Möbel nur für 1 Person bemessen sind, aber Klamotten für 2 Menschen dort sind. Kleidung kann ja komprimiert werden. Ein Kleiderschrank mit 2 Türen hat ja erstaunlich viel Stauraum…zwei Frauen, 251 Persönlichkeiten, das ist ja kaum Kleidung vorhanden!
Ja Menschen die Viele sind, haben auch viel…viele Klamotten, viele Spielsachen…viel eben…
Der eine Anteil mag Jeans, der andere Flower-Power Kleider, der nächste schwarzes T-Shirt und Nieten. Toll wird das dann, wenn das Flower -Power Kleid mit dem Nietengürtel und Chucks kombiniert wird. Daher hat auch Anne hier die Oberhand. Manchmal muss sie sich morgens eben 3-mal umziehen…nur die Socken sind Kindersache. Oft haben wir daher 2 verschieden Socken an. Immer bunt, oft geringelt oder mit Blumen.

Nicht, dass Ihr jetzt denkt, jeder Mensch mit seltsamen Klamotten ist Multipel…nein manche haben einfach nur schlechten Geschmack.

Peter hatte sein Zimmer schon längst fertig. Was auch nicht verwunderlich ist, besitzt er doch 1 Schrank, 1 Bett und etwa 10 Wäschestücke. Er war ein sehr angenehmer Mitbewohner. Kochte fertig Hähnchenschenkel im Backofen, ließ dann das Fett auslaufen was die Küche in eine Räucherkammer verwandelte. Putzen gehörte nicht zu seinen Fähigkeiten, kochen auch nicht aber dafür war er immer leise. Wenn er nicht gerade am PC irgendwen oder irgendwas erschoss schaute er Horrorfilme und sorgte so permanent für wundervolle Geräuschkulissen. Es gibt doch nichts Besseres, als auf dem mittlerweile vorhandenen Klo zu sitzen und draußen kreischt lautstark eine Horde Kinder die in einem Film grade massakriert werden. Ok Anne war dann etwa 30min paralysiert und in einer Panikattake…aber irgendwas ist ja immer.
Dafür war er aber auch extrem hilfreich.
Folgendes Szenario: Anne kochte Möhrensuppe (in einem wirklich großen Topf). Sam hatte beim Einzug die Küchenhängeschränke angebracht, einer davon direkt über dem Herd.
Wie es das Schicksal und die handwerklichen Fähigkeiten Sam´s es nun wollten, beschloss der Hängeschrank über dem Herd gen Boden zu streben, allein der Schwerkraft folgend. Dies hatte eine Kettenreaktion zur Folge. Der Schrank knallte auf das Ceranfeld und gegen den Topf mit kochender Suppe. Dieser folgte dem Vorbild und rutschte seinerseits gen Boden. Doch Anne, die direkt vor dem Herd stand hatte mehr Glück als Verstand. Der Topf kam mit dem Boden zuerst auf dem PVC auf. Nur etwas Suppe spritzte innerhalb eines Meters bunte Muster. Den Schrank hielt sie in den Händen und hinderte diesen komplett auf den Boden zu segeln, während der heiße Topf zwischen den Beinen eine Zwangshaltung vorsah. Anne rief laut und Peter kam aus seinem Zimmer. Er erfasste das Szenario mit einem Blick und holte geistesgenwertig das Smartphone. Die Fotos sind wirklich gut geworden.
Einige Minuten später rettete Dorie Anne dann aus der misslichen Lage. Peter war zwischenzeitlich damit beschäftigt die Fotos online zu stellen. Sowas nennt man wahre Freundschaft.

Dies ist wohl auch der Grund, warum er gerade während ich dies hier schreibe, neben mir auf einem Sessel sitzt. Sein raues Lachen begleitet jeden Satz und wir schauen gemeinsam mit Dorie „Joko und Klaas gegen den Rest der Welt“. Schön!

 

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